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„Witzig, vital und ideenreich“

"Im Labor der Liebe" am 14. September in der Gertrudskirche der Burg Gars

© Reinhard Podolsky/mediadesign.at

„So witzig, vital und ideenreich gestaltet will man barockes Theater erleben dürfen.“ Das konnte man heuer im Juni nach dem Konzert von Capella Splendor Solis mit „Labor der Liebe“ in den Salzburger Nachrichten lesen. Und am 14. September ist es in der Gertrudskirche am Schlossberger der Burg Gas soweit – wir präsentieren:

Bartolomeo Spighi da Prato „Musical Concerto“ (1641) & Adriano Banchieri „La Pazzia senile“ (1598)

Die musikdramatische Welt des frühen 17. Jhdt. kannte vielfältigste Formen. Die frühe Oper bildet lediglich einen Teilaspekt unter diesen musikalischen Formen. Die Vielfalt reicht über Intermedien, Madrigalkomödien, Dialoghi bis hin zu szenisch aufgelösten Madrigalen, deren musikdramatische Darstellung sich von einer eigentlichen Handlung losgelöst in einem philosophischen Raum bewegt.

„Musical Concerto“ von Bartolomeo Spighi da Prato ist ein solches Werk. Drei Personen stellen unterschiedliche Aspekte einer tragischen, unerfüllten Liebe in der Musik dar: Die Mythologie von Demophon und die Verwandlung Phyllis in einen Mandelbaum. Die jeweiligen Szenen resultieren aus den entstehenden Gefühlen und Befindlichkeiten der gesungenen Musik. Ein dem heutigen Theater wesensverwandter Zug, der in der weiteren Folge der Entwicklung des Musiktheaters erst wieder im 20. Jhdt auftauchen wird. Die Konkretheit des Bühnengeschehens erfolgt durch die Interaktion der Sänger. Diese im wahrsten Sinn des Wortes konzeptuelle Bühnenkunst resultiert aus einer für die damalige Zeit (1641) revolutionären, ja avantgardistischen Musik. Eine Pionierstimmung durchzieht das ganze Werk von Bartolomeo Spighi und wirkt auf den heutigen Opernbesucher ebenso überraschend wie aktuell.

„La Pazzia senile“ von Adriano Banchieri könnte keinen größeren Kontrast zur artifiziellen Welt von Bartolomeo Spighi darstellen. Eine Komödie der Absurdität und des Skurrilen. Der alte Pantalone, selber in die Kurtisane Lauretta verknallt, predigt Wasser und trinkt Wein: seine schöne Tochter möchte er möglichst reich an den vertrottelten Dr. Graziano verheiraten. Aber die jungen Liebenden hintertreiben dies gewaltig. Adriano Banchieri, frommer Abt des Klosters San Michele in Bosco (Bologna), zieht alle Register der Commedia dell`arte und des absurd komischen Musiktheaters. Seine Texte strotzen von Wortwitz bis zu deftigsten Zoten im venezianischen Dialekt, die selbst heute abgebrühten Gemütern die Röte ins Gesicht treiben. Ein wirbelndes Durcheinander von musikalischen Aktionen und Reaktionen, Szenen von grenzenloser Komik. Das Erfolgsstück der schrägen Musikkomödie um 1600!

Cappella Splendor Solis
Prof. Josef Stolz: Claviorganum, Leitung
Kanako Hayashi: Sopran
Stefan Piewald: Countertenor
Florian M. Wolf: Bassbariton

Als Gast:
Helmut Wiesinger: Regie und Schauspiel

 

„Im Labor der Liebe“
Freitag, 14. September 2018, 19:00 Uhr
Gertrudskirche auf der Burg Gars, Am Schloßberg 1, Gars am Kamp