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Die Anfänge der Burg Gars

und die Babenberger

Die Burg Gars und ihre Entstehung

Die Burg Gars wurde im 11. Jahrhundert erbaut und stand noch ganz in der Art der alten Wallburgen. Über ihre Entstehung können jedoch nur Vermutungen angestellt werden. Die Babenberger schlugen einen ihrer Sitze in Gars auf, wobei die „Garser Babenbergerzeit“ nur wenige Jahrzehnte dauerte, denn schon unter Leopold III. wurden Kastellane eingesetzt, die die Burg verwalteten. Die Garser Burggrafen, die mit den Kuenringern verwandt waren, entwickelten sich in der Folgezeit zu einem bedeutenden Geschlecht.

Entstehung und Baubeginn der Burg Gars

Das Zentrum der babenbergischen Herrschaft verschob sich von Melk nach Gars am Kamp, Tulln und Klosterneuburg. Jede Burg ist hierbei als „Teil einer Burgengruppe“ aufzufassen. Erst im 16. Jahrhundert wurden die Burgen neben Herrschaftssitz auch Wirtschaftssitz und verloren ihre allgemeine Wehrfunktion.
 Als gesichert gilt, dass die Babenberger in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine ihrer Residenzen in Gars aufschlugen. Lange Zeit wurde angenommen, dass Luitpold, der Sohn des Markgrafen Adalbert, die Anlage auf dem Schanzberg zerstört hatte. Eine Nachricht in den Annalen des Stiftes Niederaltaich von 1041 wurde als Bestätigung dieser Annahme gesehen. Die Ankunft der Babenberger stand nach heutigem Forschungsstand allerdings in keinster Weise mit der Zerstörung dieser Anlage in Zusammenhang, denn diese wurde vermutlich von den Ungarn spätestens um die Mitte des 10. Jahrhunderts zerstört, also bereits ein Jahrhundert vor dem Aufschlagen der babenbergischen Residenz in Gars.

Die Babenberger wurden 976 mit der Ostmark belehnt und vermutlich um 1000 reichten die Grenzen dieser Mark bis Gars. Bis in die Mitte des 11. Jahrhunderts konnten die Markgrafen ihr Herrschaftsgebiet bis an die Thaya und an die March ausdehnen. Für ihre Burg in Gars wählten die Babenberger einen nahe dem Kamp gelegenen Höhenplatz, der sich in der Nähe der alten Ufersiedlung befand. Die Anlage befindet sich auf dem Schlossberg, der am rechten Kampufer, gegenüber dem Markt Gars, in der Katastralgemeinde Thunau liegt.
 Die Burg Gars wurde an einer strategisch wichtigen Stelle errichtet, denn sie lag in einem neuen Siedlungsgebiet. Nach den Ungarnkriegen wurden weite Gebiete zurückgewonnen und mussten nun wieder organisiert werden. Gerade Gars befand sich in einer Gegend, die über die alten Grenzbereiche sich ausdehnen sollte und stand um 1040/50 in Zusammenhang mit dem in der Nähe von Horn gelegenen Poigreich. Auch lag Gars an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt -so trafen hier die Kamptalstraße und der Polansteig zusammen.
Wann genau die Babenberger erstmals im Garser Gebiet aktiv wurden ist unbekannt. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts ist das Gebiet um Gars als Hoffnungsgebiet zu sehen und es musste bevölkert werden. Die Babenberger ließen sich durch Königsschenkungen Legitimation und Rückendeckung gegenüber anderen Geschlechtern in diesem Gebiet geben.

Reinhard Podolsky/mediadesign.at

Die Anfänge der Burg Gars dürften ähnlich gewesen sein. Interessant ist die Vereinbarung zwischen Markgraf Adalbert († 1055) und Bischof Berengar von Passau (1019-1045), in welcher die Naturalabgaben an den Bischof und dessen Archipresbyter festgelegt wurden. Anhand der Lebensdaten der handelnden Personen ist ersichtlich, dass die Babenberger bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Gars anwesend waren – obwohl Gars zu dieser Zeit vermutlich noch keine Residenz der Babenberger war.
 Die Burg Gars wurde wahrscheinlich nicht aus dem Grund erbaut, um später als militärische Operationsbasis gegenüber Feinden im Norden zu dienen. Gars stellte in erster Linie ein Zentrum des Landesausbaus der Babenberger nördlich der Donau dar und man kann Gars eine „wichtige zentralörtliche Funktion“ zusprechen. In diesem Gebiet zu siedeln stellte allerdings auch ein Risiko dar, bedenkt man die kriegerischen Ereignisse dieser Zeit wie die Schlacht bei Mailberg im Jahre 1082. Es ist jedoch unklar, welche Rolle die Burg Gars im strategischen Konzept Leopolds II. spielte. 
Für Markgraf Leopold II. (1075 – 1095) sind zwei Residenzstätten nachzuweisen, nämlich Gars und Tulln. Die Feststellung, Markgraf Leopold II. hätte sein Quartier vor allem in jener Zeit, als er durch seine Parteinahme für Papst Gregor VII. in Opposition zu Kaiser Heinrich IV. geraten war, in Gars bezogen, kann nur als Vermutung bezeichnet werden. Er soll in der Garser Burg eine bessere Ausgangsposition im Kampf gegen den Böhmenherzog gehabt haben, nachdem Kaiser Heinrich IV. ihm die Mark entzogen und sie dem Böhmenherzog übertragen hatte. Trotz dieser günstigen Lage konnte die Niederlage bei Mailberg im Jahr 1082 nicht verhindert werden. Dopsch vermutete die Entstehung der Burg Gars in Verbindung mit der verlorenen Schlacht bei Mailberg. Er meinte, dass nach jener Niederlage „der Markgraf sein „Hauptquartier“ möglichst weit in den gefährdeten Nordwald vorschieben musste“. 
Wird eine Burg zum repräsentativen Herrschaftsmittelpunkt ausgebaut, so weist sie einen pfalzartigen Charakter auf.

Als frühe babenbergische Pfalzen werden in Niederösterreich Pöchlarn, Melk, Gars und Tulln angesehen. Hierbei erfuhren Pallas und Burgkapelle eine besondere Ausgestaltung. Obwohl Peter Csendes am Pfalzcharakter von Gars zweifelte, kann Gars für die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts aufgrund neuerer Untersuchungen als permanenter landesfürstlicher Aufenthaltsort bezeichnet werden. Um die Frage, ob Gars babenbergischer Herrschaftsort war, klären zu können, muss man zuvor die Frage klären, ob man in der frühen Babenbergerzeit von „Residenzen“ sprechen kann. So gab es gewisse Vororte, die in landesfürstlichem Besitz standen und die auch als Aufgebotsorte der Heere dienten. Aufgrund der Kriege gegen die Böhmen hat sich Markgraf Leopold II. notwendigerweise öfters und über längere Zeiträume in Gars aufgehalten und somit kann Gars zweifellos als „wichtiger babenbergischer Stützpunkt“ bezeichnet werden. Helmuth Feigl wies darauf hin, dass die mittelalterlichen Könige in ihrem Herrschaftsgebiet herumreisten, denn sie konnten nicht nur an einem Ort residieren und regieren. Aus diesem Grund hatte der König eine Reihe von Pfalzen. Auch der Markgraf oder Herzog reiste in seinem Herrschaftsbereich herum und hatte so mehrere Stützpunkte, wovon einer Gars war. In diesen Stützpunkten wurden auch die Landtaidinge abgehalten.
Wie Auer anmerkte, wiesen die frühen Babenbergerresidenzen alle den Burgentypus der Pfalz auf, denn schon die unsicheren Verhältnisse legten dies nahe. Die Pfalzen standen oft in Verbindung mit großen Forstgebieten wie Gars mit den Königsforsten des Gföhler Waldes. Auch waren diese Residenzorte meist pfarrliche Mittelpunkte und Gerichtsstätten.
Die großen Burgen des 11. Jahrhunderts, die dem Markgrafen oder bedeutenden Geschlechtern gehörten, wurden vorwiegend als „castrum“, aber auch als „urbs“ und „civitas“ bezeichnet. Lechner führte an, dass sie „in erster Linie als Wehrbau, aber auch als Wohnsitz eines adeligen Herren“ dienten – so auch Gars, das Zentrum eines markgräflichen Bannforstes war.

Die Bedeutung der Burg Gars zur Babenbergerzeit

Die Geschichte von Gars ist im 11. Jahrhundert sicherlich mit jener der Markgrafen aus dem Hause Babenberg eng verbunden. Lange Zeit wurde allerdings angenommen, dass bereits die Befestigungsanlage auf dem Schanzberg von den Babenbergern 1041 zerstört wurde. Diese Annahme erwies sich als falsch, denn die gemeinsame Geschichte von Gars und den Babenbergern setzte erst unter Markgraf Leopold II. ein. Die Babenberger errichteten eine eigene Burg auf dem Garser Schlossberg, die jedoch nur kurze Zeit von ihnen bewohnt wurde und schon bald an Burggrafen übergeben wurde.

Mit einer babenbergischen Anwesenheit kann in Gars jedoch schon früher gerechnet werden, denn schon in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts trafen Markgraf Adalbert und Bischof Berengar eine Übereinkunft, die die Zehentabgaben betraf. Die Nachricht dieser Übereinkunft wurde in einer Urkunde, die über die Weihe der Burgkapelle berichtet, überliefert. Als babenbergische Residenz kann Gars allerdings erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts betrachtet werden, wobei die näheren Umstände dieser Fußfassung nur vermutet werden können. Das Vorrücken der Residenz der Markgrafen von Pöchlarn nach Melk, nach Gars und später nach Tulln, Klosterneuburg und Wien zeigt deutlich die schrittweise Ausdehnung der Mark.

Die Burg Gars kann als eine der Residenzen des Markgrafen Leopold II. (1050 -1095), des Schönen, bezeichnet werden, dessen Amtszeit vollständig vom Investiturstreit überschattet war. Gerade dieser Platz war zur damaligen Zeit strategisch wichtig zur Sicherung der Grenze gegen Mähren, allerdings kann der genaue Zeitpunkt, an dem Leopold II. sich in Gars niederließ, nur vermutet werden. Einen gewissen Anhaltspunkt bietet hierbei die Übergabe seiner früheren Burg in Melk an die Benediktiner im Jahre 1089.

Leopold II. schloss sich im Investiturstreit Papst Gregor VII. an und geriet so in Gegensatz zum Kaiser, denn dieser setzte Leopold II. ab und belehnte den Böhmenherzog mit der Mark. Nach der verlorenen Schlacht Leopolds II. gegen die Böhmen bei Mailberg im Jahre 1082 soll sich Leopold II. in die Burg Gars gerettet haben. Nachdem er sich mit Kaiser Heinrich IV. versöhnt hatte und nicht mehr unter päpstlichem Druck stand, gewährte Leopold II. dem verjagten Bischof Altmann von Passau Aysl und übergab auf seine Bitte das Feste Haus der Babenberger in Melk an den Orden der Benediktiner. Markgraf Leopold II. soll nun in Gars residiert haben, sich jedoch auch ein weiteres Zentrum in Tulln eingerichtet haben. Eine Vermutung ist, dass in Gars auch der Sohn des Markgrafen und dessen Frau Itha von Formbach-Ratelnberg, Leopold III. geboren worden ist.

Leopold II. verstarb im Jahre 1095. Die Fragen, wo er verstorben ist und wo er begraben wurde, können nicht eindeutig beantwortet werden – in diesem Zusammenhang ist auf die viel diskutierte Urkunde über die Weihe der Burgkapelle zu verweisen, die lange Zeit als Beweis für eine Begräbnisstätte in der Burgkapelle in Gars angeführt wurde. Diese Notiz ist zwar ein Beleg für die Anwesenheit Leopolds II. in Gars, beweist jedoch nicht den Begräbnisort des Markgrafen in Gars. Lange Zeit vermutete man, dass Leopold II. auf seiner Burg in Gars verstarb und in der Burgkapelle beigesetzt wurde, allerdings konnte sein Grab nicht gefunden werden. Falls Leopold II. tatsächlich in Gars verstorben sein sollte, wäre eine Überführung in ein Hauskloster nahe liegend, denn dort konnte für das Seelenheil sicher besser gesorgt werden als in einer Burgkapelle. Auch Brunner nahm an, dass Leopold II. in Melk begraben wurde. Doch die Gebeine des Markgrafen konnten bei der Öffnung der Babenbergergruft in Melk nicht identifiziert werden.

Leopold II. wurde im Fürstenbuch Jan Enikels in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt, in welchem Gars als Residenz des Babenbergers beschrieben wurde:

Original

Marcgraf Liupold der wol gemout
der saz auch vil offenbâr
ûf einer guoten bürge zwâr diu was Gors genant
als si noch hiut ist bekannt. Si lît bî einem wazzer schônd daz hât einen süezen dôn:
daz wazzer ist der Champ genant,
als manic man ez vliezund vant ze tal in Ôsterrîche,
daz wizzet sicherlîche.

Übersetzung

Markgraf Leupold war auch wohlgemut,
der saß auch viel offenbar,
auf einer guten Burg fürwahr. Die war Gars genannt,
wie sie noch heute ist bekannt. Sie liegt bei einem Wasser schön, das hat ein süß‘ Getön:
Das Wasser ist der Kamp genannt,
wie mancher Mann es fließend fand, zu Tal in Österreich,
das wisset allzu gleich.

Leopold II. verstarb im Jahre 1095 und nun trat sein Sohn Leopold III. (um 1075-1136), der den Beinamen „der Heilige“ trägt, die Regentschaft an. Dieser wurde vermutlich auf der Burg Gars geboren. Eine andere Vermutung ist, dass Leopold III. in Melk geboren wurde und dort seine Kindheit verbrachte, wenn man annimmt, dass Markgraf Leopold II. erst nach 1089 seine Residenz nach Gars verlegte. Markgraf Leopold III. wählte Klosterneuburg als seine Hauptresidenz, wo neben seiner Eigenkirche ein Residenzbau entstand. Die Verlegung der Residenz dorthin erfolgte um 1113, zuvor saß der Markgraf in Gars und Tulln. Da Leopold III. bereits 1095 die Regentschaft übernahm, ist anzunehmen, dass er sich zeitweilig auch in Gars aufhielt. Da jedoch erst im Jahre 1114 ein Burggraf genannt wird, wäre eine Vermutung, dass Leopold III. bis zu diesem Zeitpunkt selbst die Herrschaft führte und erst nach seiner Übersiedelung nach Klosterneuburg einen Kastellan einsetzte. Dem ersten urkundlich genannten Burggrafen Erchenbert begegnet man erstmals gemeinsam mit Markgraf Leopold III., als dieser eine Schenkung an Klosterneuburg tätigte. Ob dieser Erchenbert der erste Burggraf von Gars war, kann nicht festgestellt werden. Auch konnte die Frage, ob Erchenbert bereits in der Burg Gars oder noch am Tabor lebte, nicht geklärt werden. Falls der Tabor Sitz der Burggrafen von Gars war, könnte angenommen werden, dass Erchenbert vielleicht nicht der erste Burggraf gewesen sein könnte, denn die Entstehung des Tabors ist möglicherweise noch in das 11. Jahrhundert zu datieren.

Unter Leopold II. konnte Gars nicht als Gerichtsort nachgewiesen werden, jedoch unter Leopold III. Dieser hielt um 1120 eine Versammlung bei Gars ab -„Marchio autem in conventu apud castrum Gors habito…“ -, wo man den Streit um die Güter Waldos von Grie-Ranna entschied. Man trachtete, den Streit „vor Ort“ zu bereinigen und wählte aus diesem Grund Gars als Taidingsort. Als Zeugen der Versammlung bei der Pfalz Gars dienten der steirische Markgraf Ottokar, Graf Gebhard von Poigen sowie zahlreiche weitere Dienstleute. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dieser Versammlung auf der Burg Gars der Garser Burggraf Erchenbert, der zu diesem Zeitpunkt schon längst Kastellan der Burg war, wahrscheinlich nicht beiwohnte. Burggraf Erchenbert dürfte bei der Versammlung vielleicht anwesend gewesen sein, trug allerdings nicht zur Rechtsfindung bei, sonst wäre er in der Zeugenreihe angeführt.

Im Jahre 1135 verzichtete Markgraf Leopold III. in einem Ausgleich mit Bischof Reginmar von Passau neben anderen Pfarrzehenten auch auf die bisher inne gehabten Zehente der Pfarre Gars, die er dem Bischof übergab und die dem Stift Klosterneuburg zurückgestellt wurden.

Die Verlegung der Hauptresidenz des Markgrafen nach Klosterneuburg zeigt deutlich die Ausdehnung der Mark in Richtung Osten. Die eingesetzten Burggrafen finden sich in den Quellen in nächster Nähe zu Markgraf Leopold III. und zum Stift Klosterneuburg. Die Burggrafen erhielten Gars zunächst als Burghut, auf deren Basis sich in der Folge der Emanzipationsprozess von den Babenbergern vollzog.

Die Geschichte der Burg Gars im Detail

Die Schlacht bei Mailberg
Die Anfänge der Burg Gars und die Babenberger
Burg und Herrschaft – Die Burgherren
14. Jahrhundert bis zum Beginn der Neuzeit
Die Besitzer der Burg Gars bis zur Gegenwart
Bauteile der Burg Gars
Der Plan der Burg
Rundgang