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Burg und Herrschaft Gars

Die Burgherren

Unter den Burgherren von Gars sind nicht nur fürsorgliche Grundherren zu finden, sondern auch kluge Diplomaten und einflussreiche Ratgeber der Landesfürsten.
Im mittelalterlichen Österreich belehnte oder beschenkte der Landesfürst den hohen und niederen Adel oder Klöster mit Land. Dieses Lehen diente als Entschädigung für geleistete oder noch zu leistende Dienste und vertrat in der Periode der Naturalwirtschaft den Geldlohn. Manchmal wurden solche Lehen erblich, gingen also direkt an die nächste Verwandtschaft, an die Söhne über. Neben der Grundherrschaft umfasste ein solches Lehen oft auch den Genuss königlicher Abgaben, wie Markterträgnisse, Zollerträgnisse, Mauterträgnisse oder Gerichtsgelder.

Herkunft und Anfänge der Burgherren von Gars im 12. Jahrhundert

Seit Markgraf Leopold II. regierte kein babenbergischer Markgraf mehr längerfristig in Gars. Nachdem Markgraf Leopold III., der zuvor mit seinem Gefolge in Gars und Tulln anzutreffen war, um 1114 seine Residenz nach Klosterneuburg verlegte, wurde die Burg notwendigerweise an einen Burggrafen übergeben, der eine Art Verwaltungstätigkeit ausübte.
Im Jahre 1114 trat erstmals ein Erchenbert als Burggraf auf. Er wurde in einer Klosterneuburger Tradition „Gorzensis castellanus“ genannt und übergab in Gegenwart des Markgrafen Leopold III. mit Zustimmung eines Verwandten namens „Hosiricus“ die „villa Weilandi“ mit zehn Hörigen dem Stift Klosterneuburg. Interessant ist, dass man dem Garser Burggrafen Erchenbert also erstmals gemeinsam mit dem Babenberger Markgrafen Leopold III. begegnet. 
Etwa zur gleichen Zeit übergab Erchenbert auch ein Gut in Eggenburg mit dem Pächter Sigbero an das Stift Klosterneuburg. Die Schenkung wurde um 1170/80 durch die Söhne Erchenberts erneuert und die erhaltene Tradition ist aus mehreren Gründen sehr wertvoll, denn sie gibt Einblick in die frühe Geschichte der Garser Burggrafen. Sie zeigt wiederum die politische Nähe der Garser Burgherren zu den Babenbergern, weiters gibt sie Einblick in die Besitzstruktur der Burgherren. Interessant ist auch die Nennung der beiden Söhne Erchenberts I., Erchenbert und Wolfker.

Notum sit tam presentibus quam futuris quod Erchenbertus senior castellanus de Gorse quoddam predium Egenburch situm et quendam seruum suum nomine Sigberonem qui prefato predio inbeneficiatus erat. delegauit. super altare Sancte Marie Niwenburch. ea conditione ut idem seruus pro obtenu eiusdem beneficii. censum a Niwenburgensi cenobio persoluendum Romane ecclesie Roman deferret: uel spadonem accommodaret: Quam delegationem predicti Erchenberti filii. Erchenbertus et Wolfgerus renouauerunt nobis infinuantes quod prefati Sigberonis heredes ex patre eo defuncto dimidium talentum pro obtentu ipsius beneficii singulis annis persoluere. deberent. Huius renouationis testes subscripti sunt. Heinricus de Pochperc et filius eius Hugo. Ortholfus de Iedoflsperge. Haidenricus. et Otto filii Wofgeri de Egenburch. Chonrath de Ratlinsprun et frater eius Sigifridus. Eberhardus de Puigen. Algoz frater Sigberonis. Erchenbertvs filius Erchenberti iunioris castellani de Gors.

Aus dieser Nachricht ist auch der enge Konnex von Gars und Eggenburg ersichtlich. Ein Sohn des alten Burggrafen Erchenbert saß in Gars, der andere Sohn Wolfker in Eggenburg. Auch in der Wahl des Pfarrortes zeigte sich dieser Dualismus der landesfürstlichen Zentren – im 12. Jahrhundert war Gars Pfarrort, ab dem 13. Jahrhundert Eggenburg.
Ob Erchenbert der erste Garser Burggraf war, kann nicht geklärt werden, jedoch kann es nicht viele Vorgänger gegeben haben. Auch die Herkunft Erchenberts ist nicht eindeutig zu klären. Die Annahme Lechners, dass eine direkte Abstammung der Garser Burggrafen von den Kuenringern gegeben ist, kann nicht mehr vertreten werden. Die Kuenringer und die Garser bildeten wohl eine Familie, jedoch ohne direkte Abstammung. Erchenbert wird in einer Klosterneuburger Tradition als Zeuge und als Bruder des Nizo genannt. Setzt man nun Erchenbert mit dem Burggrafen von Gars und Nizo mit dem Vater des Hadmar und dem Gründer von Zwettl gleich, so zeigt sich die verwandtschaftliche Beziehung. Die Familie des Nizo scheint etwas unterhalb der markgräflich-babenbergischen Burg eine neue Burg errichtet zu haben – die Burg Thunau, deren Reste heute noch als „Ruine Schimmelsprung“ erhalten sind.

© Reinhard Podolsky/mediadesign.at

Die Familie des Garser Burggrafen und die Familie der Kuenringer traten ab etwa 1170 oft gemeinsam in Quellen auf, was deren Bindung zeigt.
 Erchenbert, der erste namentlich bekannte Burggraf von Gars, dürfte um das Jahr 1130 gestorben sein, denn um dieses Jahr gab seine Frau Erelindis ihren gesamten Besitz in Eggenburg an Klosterneuburg. 
Ursprünglich war die Burghut von Gars nur ein Amtslehen, doch der Einfluss der Markgrafen dürfte sehr schnell geschwunden sein. Auf der anderen Seite festigte sich die Stellung der Garser Burggrafen und Burg und Herrschaft Gars wurden bald als erblicher Ministerialenbesitz der Burggrafen betrachtet. Die Burghut wurde somit erblich, was die direkte Nachfolge von Erchenbert II., dem Sohn Erchenberts I., zeigt. Die Garser Burggrafen konnten, so scheint es, weitgehend unabhängig vom Herzog agieren und die Burgherrenfamilie zählte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu den wichtigsten und einflussreichsten Ministerialen des babenbergischen Herzogs. In religiösen Belangen orientierten sich die Garser Burgherren nun vor allem nach Zwettl.

Die Garser Burggrafschaft

Diese erstreckte sich nicht nur auf die engere Gegend um Gars, die Burgherren hatten auch Besitztümer und Rechte in Eggenburg, wie Schenkungen zeigen. Diese Zusammengehörigkeit von Gars und Eggenburg zeigte sich ebenfalls in der Pfarrorganisation. Im 12. Jahrhundert wurde dieser Dualismus verstärkt, denn die Söhne Erchenberts I., Erchenbert II. und Wolfker teilten anscheinend das väterliche Erbe und Wolfker nannte sich von nun an nach Eggenburg, Erchenbert II. jedoch weiterhin nach Gars. Der zweite Garser Burggraf Erchenbert II. dürfte auch eine Schwester gehabt haben, die den Ministerialen Heinrich von Buchberg ehelichte. Erchenbert II. hatte einen Sohn, Erchenbert III., welcher allerdings nur ein einziges Mal in der Klosterneuburger Tradition aus den siebziger beziehungsweise achtziger Jahren des 12. Jahrhunderts erwähnt wird. Aufgrund seiner Stellung in der Zeugenreihe dürfte Erchenbert III. jedoch noch ein Kind gewesen sein. Als Erchenbert II. für sich, seine Frau und seinen Sohn das Begräbnisrecht in Zwettl sicherte, war Erchenbert III. wahrscheinlich schon tot, spätestens 1175/76 war er aber bereits sicher tot, da Erchenbert II. in diesem Jahr nur mehr für das Seelenheil seiner Frau Adelheid und seiner Tochter Gisela sowie eines ungenannten Sohnes mehrere Güter in Ziersdorf dem Stift Zwettl schenkte. Erchenbert II. heiratete nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Adelheid, die um 1175/76 gestorben war, eine Frau namens Froiza.

Wie Erchenbert II. dürfte auch sein Bruder Wolfker um 1180 verstorben sein, denn 1183 gaben seine Söhne Heidenreich und Otto aus Anlass seines Todes vier Lehen in Eggenburg an das Stift Klosterneuburg. Der zweite namentlich bekannte Burggraf von Gars, Erchenbert II., verstarb ohne einen männlichen Nachkommen. Die Burggrafschaft fiel nun an die nächsten Verwandten, auf die Söhne Heinrich, Heidenreich und Otto seines Bruders Wolfker von Eggenburg.

Dritter Burggraf von Gars und Nachfolger Erchenberts II. wurde sein Neffe Heidenreich, der sich zunächst wie sein Vater Wolfker nach Schachsberg nannte, etwas später bereits nach Gars. Heidenreich gilt als der Gründer von Heidenreichstein und dürfte nach der Übernahme der Garser Burgherrschaft die väterlichen Besitzungen seinem Bruder Otto abgetreten haben, der die Burg Heidenreichstein erbaute.

Die Burgherren im 13. und 14. Jahrhundert

Die Quellenlage für die Garser Burggrafen ist für das beginnende 13. Jahrhundert als schlecht zu bezeichnen.
Burggraf Heidenreich von Gars trat bis zu seiner letzten Nennung 1210 immer als Zeuge in Erscheinung, so meist bei den Aktionen des Babenbergerherzogs. Im Jahre 1210 trat Heidenreich von Gars als Zeuge in einer Urkunde des Herzogs Leopold VI. auf, als dieser eine Seelgerätstiftung des Grafen Friedrich von Hohenburg als Rechtsnachfolger bestätigte, welche der Graf in Fürwald
(GB Horn) an das Kloster Altenburg getätigt hatte. In dieser Urkunde erschien Heidenreich von Gars zum letzten Mal und es ist anzunehmen, dass er bald nach seiner Zeugenfunktion in Altenburg verstarb (zwischen 1210 und 1220).

Der neue Burggraf

Ein neuer Graf für die Burg Gars ist erst im Jahr 1222 nachweisbar, doch dieser wurde nicht ausdrücklich als Sohn Heidenreichs bezeichnet. Aufgrund des Namens Wolfker ist allerdings eine enge verwandtschaftliche Beziehung anzunehmen, denn dieser Name scheint eine Nachbenennung nach dem Großvater gewesen zu sein. Wolfker wurde allerdings nur mehr ein einziges Mal in einer weiteren Urkunde erwähnt. Diese Nennung fand drei Jahre nach seiner erstmaligen Nennung im Jahre 1225 statt.
Wolfker von Gars wird allerdings noch in einer anderen erzählenden Quelle genannt. Ulrich von Liechtenstein erwähnt den Garser Burggrafen mehrmals in seinem Frauendienst. So wird Wolfker von Gars als Teilnehmer eines Turniers in Friesach genannt.

„Do chom gegen mir ein degen her,
von Gors der süeze her Wolfger,
den man ofte vrowen dienen sach;
uf dem ich zwei sper verstach
und er uf mir zwei ritterlich,
er was wil hoher tugende rich,
im waren die besten alle holt“

Ulrich von Liechtenstein bezeichnet Wolfker immer als „tugendhaften“ Ritter, der im Kampf und in der Minne ganz dem Ideal entspräche:

„Von Gorse der hochgemuote Wolfger
des Tages verstach wol zweinzic sper,
er was in zuhten hochgemuot;
des tages er niht umbe guot
warp, er warp umbe werdecheit
mit ritterlicher arbeit,
sin herze daz was tugende vol,
er tet ez da und ofte wol.

Wolfker von Gars spielte auch bei Ulrichs Venusfahrt als Kämmerer Ulrichs eine wichtige Rolle:

do chom gegen im min her Wolfker
von Gors, der chamerere min.
deswar der chund ouch niht gesin
gezimirt baz danne er da was;
von triwrerm manne nie munt gelas,
dane er was: daz ist gar war,
des her er ere siniu jar.“

Wolfker von Gars soll Ulrich von Piesting, der ersten Station Ulrichs in Österreich, über Traiskirchen, Wien, Korneuburg bis nach Feldsberg in Mähren begleitet haben. Er soll den als Frau Venus verkleideten Ulrich von Liechtenstein gemeinsam mit 30 Rittern an der Piesting, der damaligen Grenze zwischen Österreich und Steier, erwartet haben:

Min gezoc was ritterlich.
sus fuor ich gegen Oesterrich.
do ich chom an die Bistinic,
[…]
„Die mich da enpfiengen also wol,
ein teil ich iu der nennen sol,
ir waren drizic oder mer:
ir einer hiez von Gors Wolker,
der was an tugenden so volchommen,
daz von im niht wart vernomen,
da von ritters lop wirt chranc,
der biderbe ie nach eren ranc.“

Der Garser Burggraf soll der „Frau Venus“ seine Dienste als Kämmerer angeboten haben:

Do sprach von Gors her Wolfker:
„vrowe, waz sol ich sprechen mer?
wan iwer hof stat ritterlich,
man wirt dar inne wol eren rich;
und wirt mir iwer chameramt,
ich hanz, ob got wil, ungeschamt
und wilz ouch von iu mit den spern,
enpfahen, swenne ir welt, vil gern.“

Ulrich von Liechtenstein erwähnt Wolfker von Gars etwa 1228 oder 1229 als Teilnehmer am Turnier in Korneuburg. Er schildert den Garser Burggrafen, der mit Agatha, der Tochter eines Friedrich von Truna verheiratet gewesen sein soll, als Ritter mit allen Tugenden.

Inwieweit können diese Verse jedoch aus historischer Sicht herangezogen werden? Die Person Ulrich von Liechtenstein ist in vielen Urkunden historisch fassbar, doch viel wesentlicher ist „die Tatsache, dass er sich im FD [Anm. Frauendienst] selbst in einer einzigartigen Selbststilisierung und Selbstinszenierung als Minnesänger und Minneritter in den Mittelpunkt gestellt hat“. Die Orte sowie die genannten Personen sind zwar historisch belegbar, doch sie geben nur einen Rahmen für ein Geschehen, das nie stattgefunden hat. So sind die Turniere eine literarische Erfindung und Ulrich versetzte sie mit Personen seiner Gegenwart. Aus diesem Grund kann Ulrich von Liechtensteins Frauendienst nicht als Quelle zum Itinerar von Wolfker von Gars für die Jahre 1224 bis 1227 angesehen werden. Ulrich umgab sich in seinem Roman mit einflussreichen Personen und hierbei durfte der Garser Burggraf offenbar nicht fehlen. Wolfker von Gars oder generell der Garser Burggraf war also eine Person, die man kannte.

Über 30 Jahre kein Graf auf der Burg Gars

Bis zum Jahr 1256, wird kein Burggraf von Gars in einer bekannten Quelle genannt – es klafft also eine große Lücke bis zur Nennung des nächsten Burggrafen. 1256 verzichtete ein Burggraf Rudolf von Gars gegenüber dem Zisterzienserkloster Lilienfeld auf ihm zustehende Abgaben in Nonndorf bei Gars. Die Herkunft Rudolfs liegt im Dunkeln. Es ist nicht bewiesen, dass er der Sohn des vorhergehenden Burggrafen Wolfker ist. Der Name Rudolf ist allerdings untypisch für die Familie der Garser Burggrafen und einzigartig. Es gibt nun verschiedene Hypothesen für die Herkunft des Burggrafen Rudolf. Berücksichtigt man die politischen Veränderungen nach dem Aussterben der Babenberger, so könnte Rudolf auch vom neuen österreichischen Machthaber, König Ottokar II. von Böhmen, eingesetzt worden sein. Diese Hypothese muss jedoch als sehr unwahrscheinlich angesehen werden, denn Rudolf erschien nie im Gefolge Ottokars. Möglicherweise starb die Familie der Erchenberts, Heidenreichs und Wolfkers noch vor der Mitte des 13. Jahrhunderts aus. Der Name Rudolf wurde in der österreichischen Ministerialität eher selten verwendet. Sucht man diesen Namen, so kommt die Familie der Pottendorfer in Betracht, bei der Rudolf ein Leitname war. Die Verwandtschaft mit den Pottendorfern liegt rund 100 Jahre zurück und dürfte somit keine ausreichende Begründung für eine Nachfolge Rudolfs gewesen sein. Wahrscheinlicher wäre eine eheliche Verbindung Wolfkers von Gars mit einer Pottendorferin.

In den urkundlichen Nennungen findet sich der Garser Burgherr immer gemeinsam mit Verwandten der Kuenringer, so mit den Schönbergern und mit den Herren von Falkenberg. Rapoto von Schönberg bezeugte bereits 1256 jene Urkunde, in der Rudolf das erste Mal erwähnt wird. Auch 1266 ist Rudolf wieder in einer Urkunde zu finden. Er zeugte hinter Heinrich von Plank an zweiter Stelle eine Seelgerätstiftung des Hugo von Sauerstetten, die nach dessen Tod von seiner Witwe Diemut, die nun Heinrich von Plank geehelicht hatte, mit Zustimmung ihrer Schwester Agnes vollendet wurde. Diese Nennungen könnten darauf hindeuten, dass Burggraf Rudolf mit Agnes von Schönberg, der Schwester Diemuts, verheiratet war. Ein späterer Burggraf trägt den Namen Rapoto und dies könnte eine Nachbenennung nach dem Vater der Gattin des Burggrafen gewesen sein.

Burggraf Rudolf von Gars hatte fünf Kinder, davon vier Söhne. Neben seinem Sohn Rapoto trugen die übrigen Söhne und späteren Burggrafen von Gars nun wieder von früheren Burggrafen vertraute Namen wie Wolfker, Heidenreich und Erchenbert. Dieser Rückgriff auf die früheren Namen könnte vielleicht einen Versuch darstellen, die Legitimität des Geschlechts, die offenbar einen Bruch erlitten hatte, zu untermauern. Denn in späterer Zeit taucht der fremde Name „Rudolf“ nie mehr unter den Garser Burggrafen auf.
Burggraf Rudolf von Gars erschien bis 1266 und es dauert wiederum mehr als zehn Jahre, bis sich ein neuer Burggraf von Gars in den Quellen finden lässt. Doch bereits im Jahre 1270 und urkundete Graf Heinrich von Hardegg in Gars. Warum dieser Adelige in Gars Urkunden ausstellte, ist ungewiss. Es gibt keine nachweisbare verwandtschaftliche Verbindung Heinrichs von Hardegg mit den Garser Burggrafen, auch erwähnt keine andere Quelle einen Hardegger als Besitzer ihrer Herrschaft. Eventuell hat Heinrich von Hardegg die Vormundschaft für die noch minderjährigen Söhne des Garser Burggrafen Rudolfs, Rapoto, Wolfker, Heidenreich und Erchenbert besessen. Die vier Brüder erscheinen erst ab den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts in gesicherten Nennungen.

Reinhard Podolsky/mediadesign.atDer älteste der Brüder war wahrscheinlich Wolfker, der jedoch nur ein Mal im Jahr 1281 mit Rapoto urkundlich erwähnt wurde. Es ist anzunehmen, dass er bald danach gestorben ist. Die übrigen drei Garser Burggrafen Rapoto, Erchenbert und Heidenreich erschienen seit 1286 in vielen Urkunden, wobei sie sich vor allem in Urkunden des nahe gelegenen Stiftes Altenburg finden. Die Burggrafen von Gars zeugten aber auch in einigen Urkunden des Nonnenklosters St. Bernhard bei Horn und des Zisterzienserstiftes Zwettl. Diese Klöster wurden von den Garsern mit Schenkungen bedacht.

Nachzuweisen ist Burggraf Erchenbert bis zum Beginn des Jahres 1310, danach scheint er verstorben zu sein, denn seine Brüder traten weiterhin in zahlreichen Urkunden auf.
Burggraf Heidenreich dürfte der jüngste Burggraf gewesen sein. Friedrich von Wallsee, der Begründer der Drosendorfer Linie, bezeichnete Heidenreich im Jahre 1314 als seinen Schwager. Demnach müsste Burggraf Heidenreich mit Gertrud, der Schwester von Friedrich von Wallsee, die 1316 erstmals genannt wird, verheiratet gewesen sein. Heidenreich dürfte kurz vor 1322 verstorben sein. Burggraf Heidenreich und seine Gattin Gertrud hinterließen nur eine Tochter namens Agnes. Die Garser Erbtochter ehelichte 1320 den obersten Marschall Stephan von Maissau. Somit wurde den Maissauern die Hälfte der Herrschaft Gars zugebracht.

Die vier Garser Burgherren Wolfker, Rapoto, Erchenbert und Heidenreich hatten auch eine Schwester namens Katharina, die 1318 erstmals urkundlich erwähnt wurde, als sie dem Stift Altenburg einen Weingarten in Schönberg für einen Jahrtag übergab.

Rapoto war der älteste der letzten drei Burggrafen und seit 1281 bezeugte er viele Urkunden. Er überlebte seine übrigen Geschwister, denn er ist bis 1329 nachzuweisen. Im Jahre 1311 wurde bereits sein Sohn Alber genannt, wobei unklar ist, wer dessen Mutter war. Aufgrund des Namens Alber wäre eine Verbindung Rapotos mit dem Geschlecht der Herren von Sonnberg denkbar, worauf auch die häufigen gemeinsamen Nennungen hinweisen. Gerade in der Linie Sonnberg-Raschala war der Name Alber ein gebräuchlicher Name. Die Garser Burggrafen dürften auch mit den Herren von Kaja verwandt gewesen sein, da diese häufig gemeinsam zeugten. Neben verwandtschaftlichen Beziehungen hatten die Garser Burgherren auch regen Kontakt mit den Kamptalherren, mit denen sie auch gemeinsam zeugten.

Die Garser Burggrafen zählten zu den wichtigen Geschlechtern der österreichischen Landherren, auch konnten sie hervorragende verwandtschaftliche Beziehungen wie zu den Maissauern, zu den Herren von Wallsee oder zu den Kuenringern aufweisen. Zu den ersten Habsburgern dürften die Burggrafen von Gars gute Beziehungen gehabt haben, was die Verpfändung des Garser Landgerichts durch Herzog Albrecht I. an die Burggrafen zeigt. Auch schlossen sich die Garser nach dem Tod Albrechts I. 1308 nicht dem Aufstand einiger österreichischer Landherren an, sondern stellten sich auf die Seite Herzog Friedrichs von Österreich, dessen Lehensträger sie auch waren.

Die Burggrafen Heidenreich und Erchenbert hinterließen nur Töchter, Rapotos Sohn Alber war somit der einzige männliche Nachkomme der Garser Burggrafen, der in mehreren Urkunden erwähnt ist. Alber von Gars war mit Anna von Ebersdorf verheiratet, die kurz nach 1340 verstorben sein dürfte. Der Garser Burggraf dürfte ein zweites Mal geheiratet haben, doch auch dieser Verbindung entstammte kein männlicher Nachkomme.

Der letzte Burggraf von Gars

Alber verstarb 1347 und hinterließ eine Tochter namens Dorothea, auf welche neben Agnes, der Tochter des Burggrafen Heidenreich, die zweite Hälfte des Garser Erbes fiel.

Dorothea ehelichte Hans von Maissau, einen Verwandten Stephans von Maissau, dem Gatten der Agnes. Somit trat das Geschlecht der Maissauer zur Gänze das Garser Erbe an. Herzog Albrecht III. belehnte 1367 nach dem Erlöschen des Mannesstammes der Burggrafen von Gars die Brüder Heidenreich und Ulrich von Maissau, die Söhne des Stephan von Maissau, der Agnes von Gars geheiratet hatte, sowie Dorothea von Gars mit der Feste Gars. Im Jahre 1373 wurde eine Realteilung der Burg Gars zwischen Heidenreich von Maissau und Dorothea von Gars durchgeführt. Dorothea verkaufte jedoch ein Jahr später ihren Anteil an der Burg und der Herrschaft Gars an Heidenreich von Maissau. Ihr Gatte Hans von Maissau dürfte bald verstorben sein und 1378 war sie bereits die Frau von Andreas von Liechtenstein. Die letzte weibliche Vertreterin des Geschlechts der Garser Burggrafen ist urkundlich bis 1383 nachweisbar.

Burg und Herrschaft Gars waren somit seit dem Jahr 1374 in der Hand Heidenreichs von Maissau vereinigt. Dieser übernahm 1371 zunächst das Erbe seines Bruders Ulrich II., 1374 die Hälfte von Dorothea.

Die Geschichte der Burg Gars im Detail

Die Schlacht bei Mailberg
Die Anfänge der Burg Gars und die Babenberger
Burg und Herrschaft – Die Burgherren
14. Jahrhundert bis zum Beginn der Neuzeit
Die Besitzer der Burg Gars bis zur Gegenwart
Bauteile der Burg Gars
Der Plan der Burg
Rundgang